NEO follow-up

Liste der bisherigen Beobachtungen
Liste aller Beobachtungen (NEODys)

Near Earth Objects (NEOs) sind Kleinplaneten und Kometen, welche die Erdbahn kreuzen oder diese streifen. Somit können sie zu einer großen Bedrohung für unseren Planeten werden und bei einem Impakt verheerenden Schaden anrichten. Verschiedene professionelle Teams haben es sich daher zur Aufgabe gemacht, diese besonderen Objekte zu erforschen.

Da vor einiger Zeit noch sehr wenige NEOs bekannt waren, hat man begonnen, bereits bestehende Teleskope an verschiedenen Observatorien mit großen CCD-Kameras auszurüsten und damit den Himmel abzusuchen.

Das erste derartige NEO-Suchprogramm war SPACEWATCH am Steward Observatory in Arizona. Es benutzt einen 90cm Newton und eine große CCD-Kamera, welche im sogenannten Scan-Modus ausgelesen wird, so dass in einer Nacht ein relativ großes Himmelsfeld bis zu einer Helligkeit von 21mag abgesucht wird. Eine spezielle Software untersucht danach die gewonnenen Aufnahmen und identifiziert Objekte, welche sich weiterbewegt haben und somit Kleinplaneten oder Kometen sind. So wurden in den vergangenen Jahren, seit es SPACEWATCH gibt, jeden Monat 2-3 NEOs gefunden. Unter anderem auch der Kleinplanet mit der Bezeichnung 1997 XF11, welcher in der Presse für großen Wirbel gesorgt hat, da eine erste, noch nicht sehr genaue Bahn zeigte, dass er im Jahre 2028 der Erde sehr, sehr nahe kommen würde und diese im schlimmsten Falle sogar treffen könnte. Weitere Beobachtungen und damit eine genauere Bahn zeigten jedoch kurze Zeit später, dass er im Jahre 2028 in sicherer Entfernung von ca. 1 Million Kilometern an der Erde vorbeifliegen wird.

Doch mittlerweile ist die NEO-Suche so richtig ins Rollen geraten. In den letzten Monaten wurden etwa 20 NEOs pro Monat entdeckt, und die Anzahl steigt weiter. Grund hierfür sind die neuen NEO-Suchprogramme, welche seit einigen Monaten am Suchen sind: NEAT auf Hawaii, LINEAR in New Mexico, LONEOS in Arizona, ODAS in Calern und Xinglong in China.

Diese Programme benutzen große, optisch schnelle Teleskope mit relativ kurzen Brennweiten und große, empfindliche CCD-Chips. Nur diese Kombination ermöglicht es, große Himmelsgebiete bis runter zu 21mag systematisch abzusuchen. LINEAR beispielsweise benutzt ein 1m f/2.15 Cassegrain Teleskop und eine sehr empfindliche großflächige CCD-Kamera mit der neusten Chiptechnologie. Das Gesichtsfeld beträgt 2 Quadratgrad und es werden Einzelaufnahmen mit einer Belichtungszeit von 6 Sek. (im Sommer) bzw. 12 Sek. (im Winter) gemacht. Jedes Feld wird pro Nacht 5 mal aufgenommen.

Dadurch gelingt es LINEAR, pro Nacht etwa 1200 Quadratgrad bis runter zu etwa 20mag abzusuchen. Die LINEAR-Rekordnacht war in der Nacht vom 17. August, wo sie es geschafft haben, 5504 Objekte zu vermessen. Darunter waren sehr viele Neuentdeckungen, meistens normale Kleinplaneten aus dem Hauptgürtel. Aber noch wichtiger war, dass dabei auch 3 Erdkreuzer, 1 Erdstreifer und 2 weitere ungewöhnliche Kleinplaneten entdeckt wurden. Und dies alles in nur einer Nacht !

Zur weiteren Erforschung dieser NEOs müssen sie nach ihrer Entdeckung über Monate und Jahre hinweg beobachtet und vermessen werden. Diese Aufgabe wird allerdings nicht von den NEO Suchprogrammen erledigt, da diese dadurch sehr viel Zeit verlieren würden. Zeit, die sie besser zum Suchen nach weiteren Objekten benutzten.

Es sind Amateure, die über die ganze Welt verstreut, die NEOs nach der Entdeckung weiterbeobachten und vermessen und damit ihre Bahnen sichern. Diese Beobachtungen sind für die NEO-Forschung höchst wertvoll, da die Objekte sonst wieder verloren gingen und der große Aufwand für ihre Suche damit umsonst wäre.

Auch wir in Heppenheim haben es uns zur Aufgabe gemacht, solche neuentdeckten NEOs weiterzuverfolgen (follow-up). Begonnen hat diese Arbeit bei uns im Januar diesen Jahres, als ODAS ein Objekt entdeckte, dessen Bewegungsrichtung und Geschwindigkeit die Vermutung aufkommen ließ, es könne sich dabei um ein NEO handeln. Daraufhin wurden viele Sternwarten weltweit gebeten, dieses Objekt zu vermessen, damit das Minor Planet Center (MPC) damit eine erste Bahn berechnen kann.

Wir waren dann auch die ersten, die dies geschafft haben, nur 20 Stunden nach der Entdeckung. Einige Stunden nach uns gelang dies auch Beobachtern aus Kanada, der Tschechei, Italien, Frankreich und den USA. Mit diesen Beobachtungen berechnete das MPC eine Bahn für das Objekt, welche zeigte, dass es sich dabei um einen Marskreuzer handelt, mit einer sehr hohen Bahnneigung. In der nächsten Nacht verfolgten wir das Objekt länger und erstellten hieraus eine Animation.

Im Laufe dieses Jahres gelang es uns, viele weitere NEOs gleich nach ihrer Entdeckung zu vermessen. Darunter waren auch ganz besondere Objekte, welche vom MPC als Potential Hazardous Asteroids (PHAs) bezeichnet werden. Diese PHAs kommen der Erde sehr nahe und haben daher ein besonders hohes Gefahrenpotential.

Da in Zukunft die Zahl der NEO-Entdeckungen zunehmen wird und somit auch die benötigte Anzahl von follow-up Beobachtungen steigen wird, wird es nötig sein, die klaren Nächte hierzulande effektiver zu nutzen, d.h. die Kapazitäten unserer Teleskope zu steigern. Zur Zeit sind wir in der Lage pro Nacht und Teleskop (mit 2 Beobachtern) nur etwa 5 Objekte zu vermessen. Diese Zahl ließe sich aber um das 4- bis 5- fache steigern, wenn wir unsere Teleskope teilweise automatisieren würden.

Der Aufwand hierfür wäre sicherlich gerechtfertigt. Denn NEO-Beobachtungen sind sehr, sehr wertvoll und nicht zuletzt werden sie in den Minor Planet Electronic Circulars (MPECs) weltweit publiziert, wodurch unsere Sternwarte innerhalb kürzester Zeit weltweit bekannt wurde.

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